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Sachsen testet als erstes Land Seniorengärten
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Sachsen testet als erstes Land Seniorengärten

Sachsen baut die ambulante Betreuung für ältere, demenzkranke Menschen aus. Für 2012 ist die Einrichtung von Seniorengärten als Modellprojekt geplant. Dafür soll auch Fördergeld fließen.

Von Samira Sachse

Dresden/Chemnitz - Angehörige von Menschen mit beginnender Demenz beklagen die Misere seit langem: Für die Tagesbetreuung von Erkrankten gibt es kaum bezahlbare Angebote. Deshalb bleiben die betroffenen Menschen sich selbst überlassen. Während die Kranken immer tiefer in die Isolation geraten, wächst die Ratlosigkeit der Familie. Das Einschalten ambulanter Pflegedienste scheitert an der abgelehnten Pflegestufe. "Und das familiäre und nachbarschaftliche Bezugsfeld ist oft ausgedünnt, die Kinder wohnen weit entfernt oder sind beruflich eingespannt", sagt Sachsens Sozialministerin Christine Clauß (CDU).

Sie will nun das Betreuungsangebot für die alten Menschen stark erweitern. Seniorengärten sollen erprobt werden. "Es geht dabei nicht um eine Art Kindergarten für Oma und Opa", sagt sie. Ziel sei es, älteren Leuten mit und ohne demenzielle Leiden gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Clauß: "Die Frauen und Männer haben viel Lebenserfahrung und wollen sich einbringen, auch wenn ihnen das wegen ihres Alters oder der fortschreitenden Demenz zunehmend schwerer fallen mag." Nur in einem Punkt lässt Clauß den Vergleich zum Kindergarten zu. Der Betreuungs- und Zuwendungsaufwand dürfte eine ähnliche Dimension erreichen.

"Die Seniorengärten könnten in oder an Pflegeeinrichtungen entstehen, auch in einstigen Schulgebäuden oder in Gemeinschaftsräumen von Wohnhäusern. Clauß zufolge seien nun erstmals auch individuelle Wohn- und Betreuungsprojekte förderbar. Die Finanzierung erfolgt durch die Pflegekassen (50 Prozent), den Freistaat (35 Prozent) und die Kommunen (15 Prozent).

Mehr Geld für Projekte

Clauß zufolge hatte Sachsen das Zuschussvolumen für diese niedrigschwelligen - es handelt sich um leicht umsetzbare, individuelle Betreuungsprojekte - aufgestockt, von 300.000 Euro 2010 auf 600.000 Euro 2011 und 879.000 Euro im nächsten Jahr. Gefördert werden Aufwandsentschädigungen für ehrenamtlich Tätige, Personal- und Sachkosten für Fachkräfte, Schulungen oder auch Selbsthilfegruppen. Im ländlichen Raum, wo das Durchschnittsalter der Bevölkerung Spitzenwerte erreicht, sei der Hilfsbedarf am größten. "Das hat auch unser 2010 gestartetes Alltagsbegleiter-Projekt gezeigt", so Clauß. Rund 300 ehrenamtliche Betreuer seien bislang im Einsatz. Tendenz steigend. Erst in der vorigen Woche war Bewerbungsschluss für die nächsten Projektideen. "Die Menschen wollen so lange wie möglich zu Hause alt werden und wir müssen die Möglichkeiten schaffen", so Clauß. Die Kapazitäten der Pflegeheime, die ohnehin nur für einen kleinen Teil der Senioren infrage kommen, seien schon jetzt im Schnitt zu 95 Prozent ausgelastet. Und der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung wachse in hohem Tempo weiter.

Entlastung der Angehörigen

Laut Matthias Steindorf, Referent für Altenhilfe im ParitätischenWohlfahrtsverband Sachsen, sind für alle Regionen maßgeschneiderte Angebote nötig: "Seniorengärten oder -begegnungsstätten sind ein Baustein." Wichtig sei auch die Entlastung der Angehörigen. Im ambulanten Sektor und im stationären Pflegebereich wachse die Nachfrage stark an. Viele Anbieter würden bereits die Schaffung spezieller Wohngruppen vorbereiten. Anderswo entstünden Versorgungszentren mit vielen Angeboten unter einem Dach, von der Tagesbetreuung bis zur stationären Pflege. "In Sachsen werden bundesweit interessante Konzepte entwickelt", so Steindorf.

"Das Thema ist inzwischen in allen Bundesländern angekommen", versichert Claudia Kaiser von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen. Die Referentin für Gesundheit und Pflege sieht republikweit noch erheblichen Nachholbedarf. Vor allem die Betreuung von Menschen mit demenziellen Erkrankungen müsse schnellstens verbessert werden. "In dem Zusammenhang muss der Begriff der Pflegebedürftigkeit reformiert werden", sagte sie. Die gesamte Pflegereform sei dringend nötig und weitere Verzögerungen nicht mehr hinnehmbar.

 

Die Gesellschaft altert

Das Durchschnittsalter der Sachsen steigt. 2010 lag der statistische Wert bei 46,2 Jahren und damit zwei Jahre über dem Bundesschnitt.

In acht Kommunen liegt das Durchschnittsalter bei mehr als 50 Jahren. Eine Situation, die im Jahr 2025 für nahezu alle Orte im Freistaat zutreffen wird.

 
Sachsens Sozialministerin
Christine Clauß (CDU)
 

Mehr als 2,3 Millionen Pflegebedürftige gibt es derzeit in Deutschland, 2030 wird mit mehr als drei Millionen gerechnet und 2050 mit etwa 4,4 Millionen.

Ein Indiz für den wachsenden Pflegebedarf sind die Pflegeberatungen der Pflegekassen. 2009 waren es rund 11.500, 2010 etwa 15.600. (sh)